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Karen Rose, New York Times bestselling mystery suspense author
Learn   about Silent Scream by Karen Rose, New York Times bestselling mystery   suspense author

Grand Central Publishing
(May 25, 2010)
Paperback: 608 pages
$7.99
ISBN-13: 978-0446538367


Feuer Epilog


Minneapolis, Samstag, 19. Februar, 21.00 Uhr

Manche Männer waren dazu geboren, Smoking zu tragen, dachte Olivia Sutherland, als sich die Polonaise mit der strahlenden Braut an der Spitze am Rand der Tanzfläche auf sie zubewegte. Und der Mann, der sich als letzter angeschlossen hatte, gehörte definitiv zu diesen Exemplaren. Doch Olivia wusste, dass David Hunters attraktives äußeres vor dem eigentlichen Menschen, der sich dahinter verbarg, verblasste.

Vor drei Jahren hatte er nach einer Hochzeit wie dieser ihre Welt aus den Angeln gehoben. Nun, Glückspilz, der sie war, tat er es beinahe jede Nacht. Noch immer konnte sie kaum fassen, dass er zu ihr gehörte, und hätte sich am liebsten gekniffen, um sich zu vergewissern, dass sie nicht träumte. Aber sie träumte nicht, das hier war die Wirklichkeit. Das ist mein Leben!

Olivia blinzelte, als David plötzlich einen Satz über die vierjährige Grace Hunter machte, die gestolpert und vor ihm hingefallen war. Rasch ging er in die Hocke und hob sie sich mühelos auf die Schultern, so dass die Kleine, die gerade zu weinen beginnen wollte, vor Vergnügen quiekte, während David zum Ende der Schlange aufschloss. Er war ein guter Mensch. Und er würde ein toller Vater sein. Eines Tages würde er ihr Kind auf den Schultern tragen, dachte Olivia und versank einen Moment in Träumerei.

„Diese verdammten Schuhe bringen mich noch um!“, murrte eine Stimme hinter ihr.

Olivia löste den Blick von David und wandte sich zu ihrer Schwester, Mia Mitchell, um. Genau wie Olivia hatte Mia heute ihre Polizeimarke und die -uniform gegen das rote Kleid der Brautjungfer und lächerlich hohe Schuhe getauscht, die gegenwärtig an den schmalen Lederriemchen von Mias kleinem Finger baumelten.

„Warum hast du sie dir eigentlich gekauft?“, fragte Olivia entnervt. Mia hatte schon zu jammern begonnen, noch bevor Eve und Noah Webster und ihre Hochzeitsgesellschaft überhaupt die Kirche betreten hatten. Allerdings hatte Olivia den Verdacht, dass ihre Schwester vor allem von ihren Tränen der Rührung hatte ablenken wollen. Mia gab sich nach außen hin gerne hart, und das war sie auch, wenn es sich um Verbrecher handelte. Doch Menschen gegenüber, die sie liebte, war sie weich wie ein Wattebausch.

„Hab ich ja gar nicht. Reed hat sie gekauft.“ Mia sah düster zu ihrem Mann hinüber, der in der Mitte der Schlange marschierte und ihr zugrinste. „Ist ja klar, dass er den Abend durchtanzen kann. Er trägt schließlich keine Folterwerkzeuge an den Füßen.“

„Auf jeden Fall hat dein Mann bei der Schuhwahl einen ausgezeichneten Geschmack bewiesen.“ Olivia legte Mia einen Arm um die Taille und spürte ein warmes Ziehen in ihrem Inneren, als ihre Schwester dasselbe bei ihr tat. Bis vor wenigen Jahren hatte Olivia nicht gewusst, dass es Mia gab. Nun konnte sie sich ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen. Sie waren eine Familie. „Und bei der Wahl seiner Frau sowieso.“

Mias Blick wurde ein wenig weicher. „Du willst nur die Schuhe haben.“

Olivia zuckte die Achseln. „Du trägst sie nach diesem Abend doch sowieso nie mehr.“

„Und ob!“ Mia zog die Brauen hoch. „Und zwar zu deiner Hochzeit.“

Olivia runzelte die Stirn und sah sich um, doch es schien ihnen niemand zugehört zu haben. „Pssst. Ich hab’s außer dir noch niemandem gesagt.“ Was theoretisch der Wahrheit entsprach. Natürlich hatte sie nicht verhindern können, dass ihre besten Freundinnen es erraten hatten. Die Mojitos, die Paige und Brie ihr eingeflößt hatten, hatten den Prozess enorm vereinfacht.